GLAUBE und SCHÖNHEIT
Schönheit berührt
Der Weg der Schönheit beginnt mit den Augen und führt zum Herzen. Schönheit kann eine Tür zum Herzen sein. Etwas Schönes zu sehen, zu hören, zu erleben, berührt das Herz. Man kann sich nicht satt sehen an einem schönen Sonnenuntergang, einem blühenden Garten, einer außergewöhnlichen Architektur, einem fröhlichen Kind … Die Schönheit eines Kunstwerkes kann Verkündigung und ein Türöffner für den Glauben sein. Ich war einmal beim Betrachten des Gemäldes „Maria Magdalena begegnet Jesus am Ostermorgen“ von Martin Schongauer im Museum Unterlinden in Colmar so in Bann gezogen, dass ich mich gar nicht lösen konnte von der Schönheit des Bildes. Ich fühlte mich hineinversetzt in die Situation der Maria Magdalena. Manchen ergeht es beim Genießen klassischer Musik so. Musik versetzt Zuhörer in fröhliche oder andächtige Stimmung. Sakrale Musik ist Gebet.
Wir erinnern uns gerne an schöne Erlebnisse, wenn der Alltag uns wieder herausfordert. Die schönen Momente bleiben im Herzen, schenken inneren Frieden.
Schönheit des Glaubens
Papst Benedikt XVI. sprach von der Schönheit des Glaubens: „Der Weg der Schönheit (ist) ein faszinierender Weg …, um sich dem Glauben zu nähern. Was ist die Schönheit, … wenn nicht der Widerschein des Glanzes des ewigen Wortes, das Fleisch geworden ist?“ … „Ohne den, der unser Leben trägt, ist das Leben selbst leer. Diese Mitte auszulassen oder zu verraten, würde dem Leben selbst seinen Grund nehmen, seine innere Würde und Schönheit.“
Religiöse Menschen haben einen Grund, der sie trägt auch in dunklen Stunden. Sie leben von innen, sie strahlen die Liebe Christi aus. Das spüren die Menschen ihrer Umgebung. So hat Gertraud von Bullion gewirkt durch ihr Sein. Sie besaß die Fähigkeit, eine gute Atmosphäre zu schaffen.
Die Schönheit sakraler Räume
Insbesondere die Schönheit eines sakralen Raumes lag ihr am Herzen, damit die Beter Schönheit spüren und so der Schönheit Gottes, der Gottesmutter und der Heiligen ein wenig nahe sein konnten. In der St. Sebastian-Kirche in Augsburg sorgte sie für den Blumenschmuck in der Seitenkapelle der Muttergottes von Altötting und sie schmückte den Antoniusaltar in der Kirche.
Als Rote-Kreuz-Schwester im 1. Weltkrieg richtete sie gerne eine Kapelle her, damit die verwundeten Soldaten in einem schönen Raum den Gottesdienst mitfeiern konnten. Gerne übernahm sie auch die musikalische Begleitung. Sie berichtet:
„Am 18. September (1915 in Cambrai) fügte es sich, dass der Geistliche des Lazaretts zu mir kam und mich bat, für den morgigen Sonntag im Festsaal einen Tisch zum Gottesdienst herzurichten. … (ich) war glücklich, einen solchen Auftrag zu erhalten. Mit Feuereifer machte ich mich daran, den vergrundeten Boden zu schrubben, und was ich fand, trug ich zur Verschönerung herbei. Der Geistliche war mit meiner Arbeit scheinbar zufrieden, denn er bat mich, dies Amt für immer zu übernehmen. Mit jubelndem Herzen sagte ich zu; … ich gab dafür auch mein Bestes, um Jesus und seine himmlische Mutter zu ehren und zu verherrlichen. Ganz stillschweigend gesellte sich aber auch die zweite Aufgabe zur Ausschmückung des Gottesdienstes dazu, Gesang und seine Begleitung.“
Alles für Jesus und Maria
Höhepunkte ihres ehrenamtlichen Dienstes als Küsterin und Chorleiterin im Lazarett – neben ihrer Arbeit als Krankenschwester – waren der Einzug des Allerheiligsten mit dem Schmücken eines einfachen Tabernakels und die Gestaltung einer Erstkommunionfeier für einen kranken Soldaten.
„Zu Fronleichnam und zum Herz-Jesu-Fest hatte ich jedes Mal die Kapelle ganz besonders schön geziert, vor allem freute ich mich, im Besitz vieler Kerzen zu sein, die den Schmuck wesentlich erhöhten.“
Gertraud erinnert sich voller Wehmut an die schön gestalteten Maiandachten im Lazarett in Mons.
„In ein paar Tagen haben wir Mai, den holdesten der Monate. Ist es da nicht wie ein dauernd Singen und Klingen in unseren Seelen: ‚Ave, ave Maria! Regina cœli, laetare!‘ … Wissen Sie noch unsere Monser Maiandachten, … Was war das für eine Herzensfreude für mich! Selige Erinnerungen!“
Die erhabene Schönheit Marias
Gertraud machte sich nicht viel aus modischer Kleidung. Ihre Schwester konnte sie schon mal ermahnten, mehr Wert auf ihr Äußeres zu legen. Aber Gertraud war die innere Schönheit wichtiger als die äußere Erscheinung. Dabei nahm sie Maß an Maria, der sie sich anvertraute. Sie preist die Vorzüge Mariens in ihrem Brief an Marie Christmann, mit der sie am 8. Dezember 1920 die Bundesweihe tätigt:
„Morgen wollen wir die Vorbereitungen abschließen und offiziell als neue Gruppe ins Leben treten. Lass uns darum preisen unserer Dreimal Wunderbaren Mutter heilige und unbefleckte Empfängnis! Freude und Jubel soll der Grundton des morgigen Tages sein, aber auch Dank. Freude vor allem über die erhabene Schönheit unserer Mutter und Königin. Tota pulchra es Maria! Ganz in Schönheit bist du, du Freude Israels! Die Himmel hallen wider von dieser Schönheit. Gottes Auge ruht mit Entzücken auf ihr. Ist nicht Maria Gottes vollkommenstes Schöpfungswerk, in dem seine Allmacht, Weisheit und Güte gipfelt und sich widerspiegelt! Darum müssen wir uns freuen, weil solche Fülle von Schönheit auch Menschenherzen mit Lust erfüllt. Jubeln wollen wir, weil diese hehre, himmlische Frau unsere Mutter ist, ein Mensch wie wir. Sie gehört uns, und wir gehören ihr als Christen, als Marienkinder, von jetzt ab als apostolische Sodalen. Und wie Kinder, wenn sie ihre Mutter bewundert haben, dem Vater sagen, wie gut sie ihnen gefällt, so wollen auch wir es machen; ihm auch danken, ihn preisen, dass er unsere Mutter so herrlich, so wunderbar geschaffen hat und wir daran teilnehmen dürfen.“
Renate Steinhöfel
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